Redefluss

Die bekannteste Redeflussstörung ist das Stottern. Im Erwachsenenalter ist es die am häufigsten diagnostizierte Kommunikationsstörung. Stottern entwickelt sich häufig in einem Moment der kindlichen Entwicklung, in dem das Kind einerseits nach Unabhängigkeit strebt und andererseits noch auf die vorbehaltlose Unterstützung der Bezugspersonen angewiesen ist. Dieses SpannungsfeId fordert dem ganzen Umfeld des Kindes viel ab. Was das Stottern am meisten verschlimmert, ist das Nicht-Stottern-Wollen. Seriöse Therapieansätze gehen heute darum von einem „Non-avoidance“-Ansatz aus (nach van Riper). Bereits beim ersten Auftreten von Stottern  ist es wichtig, im Umfeld Verständnis für die Entwicklung des Kindes und eine möglichst entspannte Einstellung zum Stottern entwickeln zu können. Für das Kind wird so eine angstfreiere Kommunikationssituation ermöglicht und es kann sich dann mit positiven Gefühlen auf die Entdeckung von hilfreichen Sprechtechniken machen. Jugendliche Stotternde stehen vor der grossen Aufgabe, sich mit ihrer Sprachbehinderung in ihrem weiter werdenden Umfeld zu behaupten und ein positives Selbstbild aufzubauen. Ein offener Umgang mit dem Stottern und sorgfältig aufgebaute Desensibilisierungs- und Konfrontationsarbeit bieten dabei wichtige Hilfen.
Kinder die poltern, reagieren meist vollkommen gegensätzlich auf ihre unflüssige Sprache. Sie nehmen ihre holpernde, abgehackte, meist überschiessende Rede nicht als solche wahr und können nicht nachvollziehen, warum sie nicht verstanden werden. Für sie ist es oft ein erfolgreicher Weg, mit detektivischem Spürsinn zum Wissensexperten in Sachen Sprache zu werden und so ein Bewusstsein und eine bessere Kontrolle über ihr Sprechen zu erhalten.
Mutistische Kinder trauen sich – in der Regel ausserhalb des familiären Umfeldes – nicht, ihre Sprache zu gebrauchen. Sie benötigen einen geschützten Raum, in dem sie sich schrittweise öffnen dürfen. Die ihnen von der Therapeutin entgegengebrachte Zuversicht, dass sie dies auch schaffen werden, unterstützt die Kinder dabei. Das Wann und Wie dieser Schritte offen lassen zu können, braucht von allen Beteiligten Respekt und Geduld.